Hier setzt Trenchs ARCC®-System an. ARCC® steht für Advanced Residual Current Compensation und ist ein REFCL-System (Rapid Earth Fault Current Limiter), das den verbleibenden Erdschlussstrom und die Fehlerenergie in Mittelspannungs-Freileitungsnetzen reduzieren soll. Viele Mittelspannungsnetze nutzen bereits eine Erdschlusslöschspule, meist als Petersen-Spule bezeichnet. Sie kompensiert den kapazitiven Anteil des Erdschlussstroms und trägt dazu bei, die Auswirkungen eines Erdschlusses zu begrenzen. ARCC® baut auf diesem bewährten Prinzip auf: Das System kombiniert die Spule mit moderner Leistungselektronik, Steuerungstechnik und einer schnellen Fehlererkennung.
Schnelle Reaktion am Fehlerort
ARCC® erkennt Erdschlüsse in Echtzeit und reduziert am Fehlerort den verbleibenden Erdschlussstrom, die Fehlerenergie und die Spannung. Dadurch sinkt das Risiko eines Lichtbogens, der trockene Vegetation entzünden könnte. Während das System den Fehler kompensiert, identifiziert der EFD500 den betroffenen Abgang und ermöglicht so gezielte Maßnahmen. BoostPRO® beschleunigt die Kompensation und senkt Strom und Spannung am Fehlerort noch schneller. Wo es die Betriebsbedingungen zulassen, kann die Stromversorgung ohne sofortige Abschaltung aufrechterhalten werden. ARCC® ist für kompensierte, also resonanzgeerdete Mittelspannungsnetze bis 36 kV verfügbar und unterstützt sowohl 50-Hz- als auch 60-Hz-Anwendungen.
ARCC® verringert das Brandrisiko, das von Störungen im Stromnetz ausgehen kann. Das System ersetzt keine umfassenden Maßnahmen zur Waldbrandminderung, kann diese aber sinnvoll ergänzen und in größere Programme integriert werden. Die Betriebserfahrung zeigt, dass es funktioniert: ARCC®-Systeme sind an sechs Standorten in Australien installiert. In den vergangenen drei Jahren hat keiner dieser Standorte von einer Zündung berichtet, die durch einen Erdschluss ausgelöst wurde.
Trench Austria arbeitet bereits seit 1954 mit Petersen-Spulen und entwickelt sowie fertigt sie als zentrale Komponente des ARCC®-Systems am Standort Leonding bei Linz. Die ersten ARCC®-Systeme wurden 2020 nach Victoria, Australien, geliefert. Es folgte ein Projekt für eines der großen Versorgungsunternehmen in Kalifornien. Doch die Technologie von Trench Austria gewinnt weit über Australien und die USA hinaus an Bedeutung. Überall dort, wo Freileitungen durch zunehmend trockene Landschaften führen, müssen Versorgungsunternehmen verhindern, dass Netzfehler zu Zündquellen werden.
Wachsende Bedeutung für Europa
Seit den 1980er-Jahren hat sich Europa etwa doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt und ist damit der Kontinent mit der stärksten Erwärmung. 2025 erreichten sowohl die von Waldbränden betroffene Fläche als auch die Brandemissionen Rekordwerte. Allein 2026 verbrannten bislang mehr als 650.000 Hektar bei schweren Waldbränden in der Europäischen Union. Europäische Versorgungsunternehmen und Netzbetreiber müssen sich zunehmend damit befassen, welchen Beitrag technische Fehler zum Waldbrandrisiko leisten können. Jüngste Vorfälle in Deutschland und Österreich haben erneut gezeigt, dass beschädigte Freileitungen Vegetation in der Umgebung entzünden können. Im Süden Spaniens zogen Ermittler eine herabgestürzte Stromleitung als mögliche Ursache eines Großbrandes in Betracht.
Bislang ist in Europa kein ARCC®-System installiert. Das wirft eine wichtige Frage auf: Reichen die bestehenden Schutzkonzepte noch aus – oder braucht es einen weitergehenden Ansatz zur Waldbrandminderung? Die Herausforderung betrifft nicht nur den Schutz von Wäldern und Landschaften. Es geht auch darum, Verteilnetze sicherer, widerstandsfähiger und besser auf den Klimawandel einzustellen.