Brigitte, erzählt uns bitte, wie du dorthin gekommen bist, wo du heute stehst?
Ich hatte schon immer ein Interesse an Zahlen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen – daran, wie man ein Unternehmen steuert. Das habe ich bereits in der Schule gemerkt, da wir in Österreich am Gymnasium gleichzeitig auch eine Berufsausbildung bekommen. Die Fächer im Finanzbereich haben mir immer super viel Spaß gemacht. Da wurde mir klar, dass ich das beruflich machen will.
Statt BWL zu studieren, bin ich direkt ins Berufsleben eingestiegen und habe eine Stelle im Controlling übernommen. Meine damalige Chefin hat mir ermöglicht, auch andere Bereiche des Finanzwesens kennenzulernen und das große Ganze zu verstehen. Da wurde mir schnell klar, dass ich ausbildungsmäßig noch etwas drauflegen muss. Ich habe berufsbegleitend einen Controlling-Lehrgang gemacht und später zeitgleich Internationale Unternehmensführung studiert. Das war ein ideales Set-up, um im Finanzbereich im internationalen Kontext zu starten.
Wann hast du deine erste Führungsrolle übernommen?
Tatsächlich parallel zu Lehrgang und Studium mit Anfang 20. Ich habe die Controlling-Leitung in einem anderen Unternehmen übernommen und den Bereich von null auf aufgebaut.
Auch da hatte ich großes Glück mit meinem damaligen Chef, der mir als junge Frau das nötige Vertrauen entgegengebracht und mich unterstützt hat.
War dir früh klar, dass es bis zur CFO-Position gehen soll?
Zu Beginn hatte ich noch keinen konkreten Plan. Aber ich wusste sehr schnell, dass ich nicht nur einen Teilbereich verantworten, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente steuern möchte.
Das Mitgestalten und Mitentscheiden hat mich unglaublich fasziniert. Deshalb war mir früh klar, dass ich Verantwortung übernehmen möchte. Meine erste CFO-Rolle hatte ich dann mit 27 Jahren.
27 Jahre ist sehr jung. War das herausfordernd?
Absolut. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich häufiger den Arbeitgeber wechseln. In kleinen bis mittelgroßen Unternehmen war der nächste Karriereschritt oft nicht möglich.
Das ist aber nicht immer leicht. Du gehst ständig ein neues Risiko ein, weil du dich immer wieder auf neue Situationen, auf ein neues Umfeld einstellen musst. Das ist das Gegenteil von Komfortzone.
Gab es rückblickend Schlüsselmomente in deiner Karriere?
Ich bin ehrlich: Ich bin nicht die Geduldigste. Ich wollte nie einfach abwarten, sondern aktiv Chancen suchen und ergreifen. Einmal zu Beginn meiner Karriere bin ich direkt zum CEO, als ich von einer Vakanz hörte und hab gesagt, dass ich das machen möchte. Ich habe die Stelle bekommen – erst interimistisch, dann dauerhaft.
Rückblickend waren Schlüsselmomente immer die, in denen ich mich beruflich verändert habe. Wenn ich die Anforderungen in den Stellenausschreibungen gesehen habe, dachte ich oft: Das kann ich gar nicht alles. Das ist ein Gedanke, der viele Frauen oft zurückhält. Doch ich habe mit der Zeit gelernt, mich trotzdem darauf einzulassen. Deshalb mein Rat an andere Frauen: Mut haben! Niemand kann alles – und es ist völlig okay, Dinge neu zu lernen.