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Interview mit Anamika Sawarkar: Bleib offen und stell dich neuen Herausforderungen

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Interview mit Anamika Sawarkar: Bleib offen und stell dich neuen Herausforderungen

Anamika Sawarkar ist Sales Director für Europa, Afrika und Indien bei der Trench Group und arbeitet mit Versorgungsunternehmen, Ingenieur-, Beschaffungs- und Baufirmen (EPC) sowie Industriekunden in verschiedenen Märkten zusammen. Sie spricht über den Wandel in der Hochspannungsbranche, ihren internationalen Karriereweg, den Wert kultureller Vielfalt und darüber, wie eine offene Haltung dabei helfen kann, sich stetig weiterzuentwickeln.

Du bist bei der Trench Group für den Vertrieb in Europa, Afrika und Indien verantwortlich. Wie sieht das im Alltag aus, und wie meisterst du diese Komplexität?

Ich arbeite mit Teams und Kunden in einer großen Region zusammen, daher muss ich nah an den einzelnen Märkten bleiben und verstehen, was Kunden und die Branche antreibt.

Die Hochspannungsbranche hat sich in den vergangenen drei bis vier Jahren erheblich verändert. Die Nachfrage hat ein Niveau erreicht, das die Branche noch nie erlebt hat, daher müssen wir schnell reagieren und flexibel bleiben. Mein Team und ich geben Kunden zeitnah Antworten, Rat und Orientierung und planen gleichzeitig strategisch für ein nachhaltiges Wachstum.

Die Arbeit in unterschiedlichen Märkten erfordert, die Kultur und die Menschen zu verstehen, mit denen man es zu tun hat. Das ist entscheidend, um starke Beziehungen aufzubauen und für jeden Kunden den richtigen Ansatz zu finden.

Man muss die Kultur und die Menschen verstehen, mit denen man es zu tun hat.

Nach deinem Master in Elektrotechnik hast du deine Karriere im Graduate-Programm eines globalen Technologiekonzerns begonnen und hattest vor deinem Wechsel zu Trench mehrere Positionen inne – gab es dabei einen entscheidenden Moment, der deinen Karriereweg geprägt hat?

Ich bin dem Graduate-Programm beigetreten, weil ich mit verschiedenen Menschen arbeiten und Einblicke in diversea Unternehmensbereiche gewinnen wollte. Im Laufe von zwei Jahren habe ich drei Stationen durchlaufen: zunächst am Hauptsitz des Unternehmens, dann in einem Werk in Mexiko und schließlich im Vertrieb in Deutschland.

Am Hauptsitz habe ich gelernt, wie Entscheidungen auf zentraler Ebene getroffen werden. Im Werk habe ich gesehen, wie die Produkte hergestellt werden, mit Kunden zusammengearbeitet und Tests unterstützt. Das hat mir ein besseres Verständnis dafür vermittelt, wie das Geschäft in der Praxis funktioniert.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wurde mir von Anfang an Verantwortung übertragen, und ich wurde ermutigt, Präsentationen auf Deutsch zu halten und Kunden selbst zu treffen. Ich hatte das Glück, Führungskräfte zu haben, die mir vertraut und meine Entwicklung gefördert haben.

Du bist in Indien aufgewachsen und lebst und arbeitest heute in Berlin. Was hat dieser Wechsel – sowohl kulturell als auch beruflich – mit dir gemacht, und wie prägt die tägliche Arbeit über Kulturen und Märkte hinweg deinen Führungsstil?

Ich kam mit 14 Jahren erstmals als Austauschschülerin nach Deutschland. Ich lebte elf Monate lang bei einer deutschen Familie, lernte Deutsch und erfuhr schon in jungen Jahren, was es bedeutet, sich an eine neue Kultur anzupassen. Indien selbst ist unglaublich vielfältig, sodass mir unterschiedliche Perspektiven und Lebensweisen bereits vertraut waren. Deutschland fühlte sich dann für mein Masterstudium wie eine natürliche Wahl an.

Heute arbeite ich mit einem sehr internationalen Team zusammen. Diese Vielfalt bereichert unseren Arbeitsalltag, hilft uns, Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven anzugehen, und prägt meinen Führungsstil. Manche Kolleginnen und Kollegen schätzen klare Strukturen und regelmäßige Anleitung, während andere am besten arbeiten, wenn sie ein Ziel bekommen und die Freiheit haben, ihren eigenen Weg zu finden. Meine Aufgabe ist es, diese individuellen Stärken zu erkennen und die richtigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Menschen zu schaffen.

Ob CIGRE Paris oder Kundentermine in verschiedenen Ländern – du bist viel unterwegs. Wie gehst du damit um, und wie schaffst du es, die Balance zu halten?

Reisen sind ein wichtiger Teil meiner Rolle, und ich treffe gerne Kunden und Kolleginnen und Kollegen in verschiedenen Ländern. Das gibt mir ein unmittelbares Verständnis der Märkte und hilft, berufliche Beziehungen zu stärken.

Balance ist ein sehr persönliches Konzept. Es gibt Phasen, in denen ich viel reise, gefolgt von ruhigeren Phasen, in denen ich mich auf andere Prioritäten konzentrieren kann. Planung hilft mir, Beruf und Privatleben zu organisieren, und klare Kommunikation ist wichtig für mein Team und die Menschen, die mir nahestehen.

Als Frau in einer Führungsposition in der Hochspannungsbranche bist du oft eine der wenigen Frauen im Raum. Was würdest du einer jungen Frau raten, die heute ihre Karriere im Energiesektor beginnt?

Als ich in Indien Elektrotechnik studierte, war es völlig normal, Frauen im Hörsaal zu haben. Später, in Deutschland, erlebte ich ein anderes Umfeld. Seitdem bin ich oft eine der wenigen Frauen im Raum.

Das hat mir gezeigt, wie wichtig Vorbilder, Mentorinnen und Mentoren sowie persönliche Netzwerke sind. Früher in meiner Karriere habe ich nur selten Frauen mit einem ähnlichen Hintergrund oder Karriereweg gesehen, zu denen ich aufblicken konnte. Deshalb ermutige ich jüngere Kolleginnen und Kollegen, sich unabhängig vom Geschlecht eine Mentorin, einen Mentor oder eine Verbündete beziehungsweise einen Verbündeten zu suchen.

Fachliches Know-how ist eine wichtige Grundlage, aber Kommunikation und emotionale Intelligenz sind ebenso wertvoll. Konzentriere dich auf deine Stärken, bleib offen für neue Möglichkeiten und scheu dich nicht, Dinge anzugehen, die dir Angst machen – man kann dabei immer weiter dazulernen.

Wir sind Teil eines Ökosystems und einer Produktfamilie, die dazu beiträgt, die Welt zu elektrifizieren.

Die Hochspannungsbranche ist hochspezialisiert und für Endverbraucher oft wenig sichtbar. Worauf bist du bei der Trench Group besonders stolz – und was motiviert dich in deinem Job jeden Tag?

Die Hochspannungstechnik ist hochspezialisiert und dennoch grundlegend für das moderne Leben. Wir sind Teil eines Ökosystems und einer Produktfamilie, die dazu beiträgt, die Welt zu elektrifizieren. Alles um uns herum – von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen bis hin zu Medizin und sozialen Medien – ist auf Strom angewiesen. Es ist spannend zu wissen, dass unsere Arbeit zu dieser Infrastruktur beiträgt.

Bei der Trench Group schätze ich außerdem besonders das Gefühl von Eigenverantwortung. Wenn jemand eine Idee hat und diese genehmigt wird, wird ihm oder ihr vertraut, die Verantwortung für die Umsetzung zu übernehmen.

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