THE GRID
Eine Kolumne von Bahadir Basdere, CEO Trench Group
Das Rennen um eine moderne KI-Infrastruktur - und warum die USA in Führung liegt
In ganz Europa gibt es derzeit eine aufgeheizte Debatte: Stellt KI eine Bedrohung dar? Ist es eine neue Blase? Oder gar eine neue regulatorische Herausforderung? Während einige Stimmen im Markt ihre Skepsis über den KI-Boom zum Ausdruck bringen, investieren mehrere der weltweit größten Hyperscaler aus den USA Milliarden von Dollar in neue Rechenzentren.
Ob man nun KI als Blase betrachtet oder nicht, eines steht fest: KI ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken – und sie braucht Elektrizität. Dabei kann KI nur so leistungsfähig und zuverlässig sein, wie das zugrunde liegende Energienetz. Und das Rennen, immer mehr Rechenzentren ans Netz anzubinden, ist bereits in vollem Gange. Geschwindigkeit ist zu einem entscheidenden Faktor geworden. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die KI-Investitionen im Vergleich zu den erwarteten Renditen irrational hoch sind. Die Frage ist vielmehr, ob und wann wir die notwendige Energienetzinfrastruktur für KI bereitstellen – und welche Region hierbei voran geht.
Explodierender Strombedarf trifft auf alterndes US-Stromnetz
Hier haben die USA ein Dilemma: Der rasch zunehmende Energiebedarf trifft auf ein bestehendes, veraltetes Netz, das nie für die heutigen Lasten ausgelegt war. 50% des zusätzlichen Bedarfs für den Stromnetzausbau wird von Daten getrieben. Jedes neue Rechenzentrum und jeder neue Hyperscaler-Campus von Unternehmen wie Meta, Google und Microsoft erfordern zusätzliche Kapazität – und damit ein weitaus zuverlässigeres und schnelleres Netz mit mehr Umspannwerken und mehr Transformatoren. Das wiederum heißt: mehr Hochspannungskomponenten modernster Art. Der 765-kV-Markt ist also riesig: In den gesamten USA sind derzeit geschätzte 55 bis 60 Mrd. USD Investitionen in 765-kV-Übertragungsprojekte in Planung oder bereits genehmigt.
Die Trench Group – unter anderem mit Werken in den USA und Kanada – werden hier einen entscheidenden Unterschied machen. Wir liefern genau die systemkritischen Komponenten, wie Durchführungen (Bushings), Messwandler und Spulen, auf die kein Umspannwerk verzichten kann. Darunter auch trockenisolierte Transformator-Durchführungen, die für die 765-kV-Übertragungsnetze in den USA so entscheidend sind.
Made in America. Built for Speed.
Wir reden nicht nur über Dringlichkeit, sondern wir handeln: mit mutigen Entscheidungen und Schnelligkeit.
Wir sind eines der ersten Unternehmen, die frühzeitig und umfangreich in die Erweiterung der Produktionskapazität an all unseren Standorten weltweit und in den USA investieren und die Investitionen schnell umsetzen. Im Februar 2026, nur 15 Monate nach der endgültigen Investitionsentscheidung, erreichten wir den nächsten Meilenstein: den Start der Bushings-Montage in unserem ersten US-amerikanischen Werk in Charlotte, North Carolina. Mit unserer Investition in Höhe von 60 Mio. USD leisten wir einen der bedeutendsten Beiträge für die Produktion von Hochspannungstechnologie in den USA in den vergangenen Jahren. Der Hochlauf der insgesamt elften Produktionsstätte unseres globalen Netzwerks verläuft planmäßig. Die Aufnahme der Produktion ist für Juli 2026 geplant. Bis 2030 werden bis zu 140 Arbeitsplätze geschaffen, die nicht nur den Ausbau des künftigen US-Energienetzes, sondern auch die Wirtschaft von North Carolina unterstützen.
„Made in America“ – das ist für uns kein Slogan, sondern ein strategisches Commitment, den enormen Energiebedarf der USA mit lokalen Produktionskapazitäten abzudecken. Wir haben bereits mehrere langfristige Lieferverträge mit großen Transformatorherstellern und wichtigen Hyperscalern in den USA abgeschlossen – und unsere lokale Produktion bedeutet kürzere Lieferzeiten und einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil in einem Markt, in dem jeder Monat zählt. Damit bekräftigen wir unsere Rolle als Schlüsselakteur beim Ausbau und der Modernisierung des Energienetzes der USA.
Europa: Zeit zum Handeln
Während die USA beim Aufbau eines Hochspannungsnetzes, das dem Energiebedarf von Big Data und KI gewachsen ist, voran geht, wird in Europa noch debattiert.
Skepsis in der Öffentlichkeit ist das eine, das andere ist: Hyperscaler lassen sich davon nicht abschrecken. Sie wollen Rechenzentren im großen Umfang bauen, und die brauchen Strom. Wenn wir sie nach Europa locken wollen, müssen wir schnell handeln. Ohne zügige Netzmodernisierung läuft Europa Gefahr, wieder hinter dem Rest der Welt zurückzubleiben.
Laut IEA-Daten wird sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 weltweit auf 945 TWh verdoppeln*. Auch Europa steht vor dem Problem eines massiven und weiter zunehmenden Energiebedarfs. Die Frage ist nur, ob das Netz darauf vorbereitet ist, wenn es losgeht. Europa kann sich keine weitere Runde voller Debatten ohne Taten leisten. Das Energienetz kümmert sich nicht um Skepsis, sondern um stabile, sichere und resiliente Stromversorgung.
Trench Group ist bereit. Die USA sind bereit. Ist es Europa auch?
* IEA, Energy and AI 2025, Energy and AI—Analysis – IEA