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True Tech Serie: interview mit Peter Dopplmair, CTO Trench Group

765 kV: Das Rückgrat für Amerikas Stromnetz von morgen

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Scarborough, Ontario, 1975. Ein Lkw fährt aus dem Werk von Trench Canada. Auf der Ladefläche: der erste 765 kV Capacitor Voltage Transformer des Unternehmens, der jemals in Nordamerika gebaut wurde. Entwickelt wurde er für den Energieversorger Hydro-Québec, um Strom aus abgelegenen Wasserkraftwerken über Hunderte von Meilen hinweg in die Städte Kanadas zu transportieren.

Was mit einem ersten Auftrag begann, hat sich zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte entwickelt. 765-kV-Komponenten der Trench Group sind mittlerweile auf vier Kontinenten im Einsatz – in Nordamerika, Europa sowie in den wichtigsten Übertragungsnetzen Lateinamerikas und Asiens. Das Land, in dem der Bedarf an dieser Technologie heute am dringendsten ist, liegt direkt an der südlichen Grenze Kanadas: die Vereinigten Staaten.

Old picture of a Capacitor Voltage Transformer

1975: Auslieferung des ersten Capacitor Voltage Transformers an Hydro-Québec

Ein Netz, das der Zukunft nicht gewachsen ist

Das US-Stromnetz steht unter Stress. Eine NEMA-Studie (National Electrical Manufacturers Association) aus dem Jahr 2026 verdeutlicht die Entwicklung: Bis 2050 wird der Strombedarf um mehr als 55 Prozent wachsen – mit dem stärksten Anstieg im aktuellen Jahrzehnt. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, werden die privaten Energieversorger nach Prognosen des Edison Electric Institute bis 2030 rund 1,4 Billionen US-Dollar in den Ausbau des US-Stromnetzes investieren. Hinter diesem Boom stehen mehrere Faktoren.

Im ganzen Land gehen neue KI-Rechenzentren in Betrieb, und zwar in einem Tempo, für das das Stromnetz nie ausgelegt war. Allein auf Rechenzentren entfallen bis 2037 rund 38 Prozent des gesamten Lastwachstums (NEMA-Prognose, Mai 2026). Hinzu kommt eine Welle der industriellen Elektrifizierung, etwa durch Halbleiterfabriken und Batterie-Gigafabriken. Diese entstehen oft in Regionen, in denen die Übertragungsinfrastruktur ohnehin schon an ihre Grenzen stößt. Gleichzeitig machen überalterte Netze das System zunehmend anfällig für extreme Wetterereignisse.

Die Angebotsseite verschärft das Problem zusätzlich. Strom aus Windkraft in Iowa, Kansas und Oklahoma sowie aus großen Solaranlagen im Mittleren Westen und Westen der USA muss weite Strecken zurücklegen, um die Verbrauchszentren an den Küsten zu erreichen. Der Bedarf ist riesig. Um ihn zu decken, müssen die jährlichen Investitionen in das amerikanische Stromnetz um 50 Prozent steigen – von heute 400 Milliarden US-Dollar auf über 600 Milliarden US-Dollar bis 2030 (IEA 2026).

Der Ausbau und die Modernisierung der amerikanischen Übertragungsinfrastruktur gehören zu den entscheidenden industriellen Herausforderungen unserer Zeit. Trench steht bereit, um zur Lösung dieser Aufgabe beizutragen.

– Dr. Bahadir Basdere, President und CEO der Trench Group

Capacitor Voltage Transformers
Capacitor Voltage Transformers, Trench Group

Ein Plädoyer für Ultrahochspannung

Ein einziger 765-kV-Ultrahochspannungs-Übertragungskorridor transportiert so viel Strom wie sechs 345-kV-Leitungen – bei geringerem Flächenbedarf und deutlich weniger Leitungsverlusten über große Entfernungen. Die wirtschaftlichen Vorteile liegen auf der Hand, und die USA machen Tempo. Bis 2032 werden mehr als 4.000 Meilen neuer 765-kV-Leitungen, 50 bis 70 neue Umspannwerke und Investitionen in Höhe von schätzungsweise 55 bis 60 Milliarden US-Dollar benötigt.

Die Politik beschleunigt den Zeitplan. Der „Infrastructure Investment and Jobs Act” (IIJA) enthält die Vorgabe „Build America, Buy America“: Der Zugang zu Bundesmitteln ist also an die Verwendung von in den USA hergestellten Produkten geknüpft. Das neue HSP US-Werk der Trench Group für Hochvolt-Durchführungen in Charlotte, North Carolina, kommt da genau zum richtigen Zeitpunkt.

Es handelt sich um den ersten Produktionsstandort des Unternehmens in den Vereinigten Staaten. Eine 60-Millionen-US-Dollar-Investition, realisiert in nur 15 Monaten von der Entscheidung bis zum Betrieb. Die ersten Lieferungen speziell von 765-kV-Durchführungen aus Charlotte sind für Anfang 2028 geplant. Bei voller Kapazität werden jährlich bis zu 3.500 Durchführungen hergestellt, die den gesamten Bereich von 25 kV bis 765 kV abdecken. Zudem besteht das Potenzial, die Produktion auf bis zu 10.000 Einheiten pro Jahr auszuweiten.

HSP US Werk, Charlotte, North Carolina

HSP-US-Werk, Charlotte / North Carolina

Der erstmalige Einsatz der 765-kV-Technologie erfordert einen bewährten Partner

Für viele US-amerikanische Energieversorger ist der Bau einer 765-kV-Anlage eine neue Herausforderung. Dabei steht viel auf dem Spiel: Diese Spannungsklasse lässt keinen Spielraum für Fehler, etwa bei der Spezifikation und Koordination, oder für Lieferverzögerungen.

Die Trench Group verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung in der Fertigung von 765-kV-Komponenten in und für Nordamerika sowie über mehr als ein Jahrhundert Fachwissen im Bereich der Hochspannungstechnik. Das Portfolio umfasst alle wichtigen Komponentenkategorien, die ein 765-kV-Umspannwerk benötigt – Durchführungen, Messwandler und Spulen – alles aus einer Hand und nach einheitlichen Konstruktionsprinzipien entwickelt. 

Trench Consulting unterstützt Energieversorger bei der Erstellung technischer Spezifikationen und bei Netzstudien. Trench Asset Services übernimmt die Bauüberwachung, die Schulung des Betriebspersonals sowie langfristige Wartungsverträge. Ein Partner, der über den gesamten Projektlebenszyklus Verantwortung übernimmt.

Texas setzt den Maßstab

ERCOT, der Netzbetreiber, der den größten Teil von Texas mit Strom versorgt, steht vor einer der steilsten Nachfragekurven aller US-Netzbetreiber. Die texanischen Regulierungsbehörden haben entschlossen reagiert und den Bau neuer 765-kV-Übertragungsleitungen mit einer Länge von 1.255 Meilen und geschätzten Kosten von 10,1 Milliarden US-Dollar genehmigt; die Projekte sollen zwischen 2031 und 2034 in Betrieb gehen (Sustainability Directory 2026). Die Trench Group hat den Zuschlag für ein 765-kV-CVT-Projekt erhalten, das diesen ersten 765-kV-Ausbau in Texas unterstützt.

Wenn ein Markt dieser Größenordnung in Bewegung kommt, sind die ersten Projekte entscheidend. Der Zuschlag für das 765-kV-Projekt in Texas ist nicht nur ein kommerzieller Meilenstein. Er ist eine weitere Bestätigung dafür, dass Energieversorger auf Trench als ihre technische Referenz für die anspruchsvollste Spannungsklasse im Markt vertrauen.

– Klaus Merklein, Chief Sales Officer, Trench Group

Diese breitere Dynamik spiegelt sich im Auftragsbestand von Trench wider. Es bestehen langfristige Liefervereinbarungen mit OEM-Partnern wie HICO, Pennsylvania Transformer und Hyundai Power Transformers USA. Trench hält außerdem direkte Verträge mit den weltweit führenden Hyperscalern – den Unternehmen, die die Rechenzentrumsinfrastruktur aufbauen, welche den Strombedarf in den USA auf historische Höchststände treibt. Das Geschäft boomt: Nordamerika war im ersten Halbjahr 2026 für rund 50 Prozent des gesamten Auftragseingangs der Trench Group verantwortlich.

Amerika steht vor dem größten Netzausbau seit einem halben Jahrhundert. Die Infrastrukturlücke ist real – und die Trench Group trägt dazu bei, sie zu schließen.